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Einbildung?

Sie nehmen mich vollkommen ein
Lassen mich nicht in Ruhe
Sie fressen mich auf wie eine hungrige Bestie
Überkommen mich plötzlich und schnell in ihrer ganzen Stärke
Ich will sie nicht haben und doch sind sie da
Nur, weil ich es zulasse
Wie ein dunkler Schatten legen sie sich über meinen Alltag
Wie ein Blutsauger, der sich nicht abschütteln lässt
Im einen Moment klammern sie sich an mir fest
Im nächsten lauern sie in einer Ecke, spürbar
Ich würde alles tun, um sie zum Verschwinden zu bringen
Und doch sind sie mein eigenes Werk:
Die Gedanken an dich

2008

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Liebe, Illusion, egal

Sie erinnert sich nicht oft daran, wie sie sich wirklich fühlte, als es vorbei war. Sie glaubte, es ginge ihr besser, sie sei jetzt frei, könnte Spaß haben, ohne ihn. Sie hatte Spaß, kein Zweifel. Aber im Nachhinein war es eine furchtbare Zeit, so jämmerlich. So oft wie möglich hing sie an der Flasche, wenn sie abends am Wochenende wegging. Sie trank und trank und behauptete, sie sei so glücklich, doch in Wirklichkeit war es ihr nie schlechter gegangen. Er hatte bereits wieder eine neue Freundin, sie hatte sich deswegen in den Arm geschnitten, konnte es nicht ertragen. Wenn er sie anrief und fragte, wie es ihr ging, sagte sie „Gut, alles super“ und glaubte es sogar selbst. Sie dachte, sie sei über ihn hinweg, doch das war sie nicht. Sie ging feiern, saufen, ließ sich von andern Jungs anmachen. Sie glaubte nicht, dass er ihr wirklich einmal wichtig gewesen war, dass er ihr Leben war. Doch es war so. Vielleicht hatte sie ihn sogar geliebt, wer weiß das schon.

2008

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Vergessen unmöglich

“Wie alt bist du eigentlich?“, fragte Katie den bosnischen Jungen namens Joshua auf Englisch. „Ich bin 16.“, antwortete er. Ein paar andere Mädchen aus dem Camp, mit denen Katie in einem Zelt schlief, hatten Joshuas Kumpel Dejan kennengelernt. Sie alle saßen neben der Straße und der Bus des bosnischen Camps stand bereits abfahrbereit dort. „Oh“, sagte Katie zu Joshua, „du siehst älter aus.“ Er lächelte sie an und fragte: „Und wie alt bist du?“ – „14“, entgegnete sie. Joshua machte ein nachdenkliches Gesicht, blickte kurz zu Dejan und meinte: „Das sind zwei Jahre Unterschied … das ist genug!“ Wieder lächelte er Katie an und sie grinste verlegen zurück. Die anderen Mädchen unterhielten sich ein bisschen mit Dejan, vor allem Adrienne, die er offensichtlich sehr sympathisch fand. Joshua blickte auf die Kette, die Katie um den Hals trug und fragte sie, woher sie die habe. „Ein Freund hat sie mir geschenkt.“, antwortete sie. Warum sagte sie ihm nicht, dass sie sie von Sean hatte? Warum hatte sie
ein Freund und nicht ihr
Freund gesagt? Sie hatte ein schlechtes Gewissen, aber nun konnte sie nichts mehr daran ändern. Sie unterhielten sich noch ein wenig, bis Joshua und Dejan gehen mussten. Ihr Bus würde bald fahren. Katie war über diese Tatsache trauriger, als sie es erwartet hätte und als sie zugeben wollte. Sie verabschiedeten sich alle voneinander. Joshua gab Katie die Hand und sagte: „Es war schön, dass wir uns getroffen haben.“ – „Ja, das finde ich auch“, entgegnete sie. Sie hatte ihm ihre E-Mailadresse gegeben und erwähnte noch einmal, dass er ihren Namen klein schreiben musste. Er lächelte und meinte, er habe es verstanden. Sie sagten noch einmal auf Wiedersehen und dann machten sich die Mädchen auf den Weg zurück in ihr Camp, wo das Abendessen schon begonnen haben musste.
Die Mädchen redeten viel über die beiden bosnischen Jungen. Joshua ging Katie nicht mehr aus dem Kopf, doch als sie Sean wiedersah, verdrängte sie den hübschen Jungen mit dem süßen Lächeln aus ihren Gedanken. Sie hörte nie wieder von ihm.

2007

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„Willst du wissen, was mit ihr gelaufen ist?“, fragte Sean.  „Hmmm?“, machte er, als Katie nicht antwortete. „Ja …“, entgegnete sie. – „Bis auf ein bisschen Rumgeknutsche war da nichts.“, sagte er leise. Katie stiegen Tränen in die Augen, sie hätte am liebsten den Telefonhörer auf die Gabel geknallt. Da es ein Schnurtelefon war, konnte sie nicht weg und ihre Mutter saß direkt neben ihr. Sie schwiegen lange. „Mir ist schon klar, dass dich das jetzt sehr verletzt … aber das war vor drei oder vier Wochen, und ich finde, man sollte nicht nur der Vergangenheit hinterher hängen, sondern auch das berücksichtigen, was jetzt ist. Es ist ja nicht so, dass wir keine schöne Zeit miteinander hatten … “- „Es ist aber auch nicht so, dass vor deinem Urlaub noch nichts war …“, entgegnete sie. „Wie, was meinst du jetzt?“, fragte Sean leicht verwirrt. „Ja, bevor du in Kroatien warst, da war ja auch schon was gewesen zwischen uns … “, erklärte Katie leise. „Und es ist jetzt auch blöd, das so im Nachhinein zu erfahren.“ Keiner sagte etwas.  „Ich bin nicht der Typ, der andere verletzen will.“, meinte Sean. Das ist bereits passiert!, dachte Katie, aber sie sagte nichts. „Kann es sein, dass ich mich im Moment erstmal von dir fernhalten sollte oder du nicht mehr mit mir zusammen sein willst?“, fragte er langsam. „Nein“, antwortete sie. Katie stützte sich an der Wand ab. Warum hatte er das getan? Hatte er nicht über die Konsequenzen nachgedacht? Empfand er noch etwas für dieses andere Mädchen? Ihre Mutter war vor dem Computer gesessen, ging nun aber aus dem Zimmer, um eine Zigarette zu rauchen. Katie setzte sich auf den Stuhl, auf dem vorher ihre Mutter gesessen war und vergrub das Gesicht in den Händen. Wieder herrschte langes Schweigen. „Was denkst du jetzt gerade?“, fragte Sean schließlich. Katie zögerte. Nach einer Weile antwortete sie: „Ich weiß nicht … ich weiß im Moment gar nichts … ich mein … du hast mich, nachdem du aus dem Urlaub gekommen bist, gefragt, ob ich denn jetzt mit dir zusammen sein will, obwohl du dir selber nicht mal sicher warst!“ – „Ich war mir sicher!“, entgegnete er, „Aber als wir dann zusammen waren, hat sie mir auf einmal ihr Herz ausgeschüttet und dann war ich mir eben total verwirrt!“ Katie antwortete nicht und stand wieder auf. Das konnte doch nicht sein! „Du glaubst mir nicht, oder?“, meinte Sean. „Doch … “, sagte Katie leise und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Ihre Mutter kam wieder ins Zimmer. Katies Nase hatte angefangen zu laufen. Sie schniefte und spürte den Blick ihrer Mutter im Rücken. „Ich lieb dich doch … und ich sag das jetzt nicht nur, um mich da irgendwie rauszureden, sondern weil ich das wirklich für dich empfinde. Bedeutet dir das denn gar nichts, dass ich mich für dich entschieden habe?“, sagte Sean. Katie schwieg.  „Was denkst du denn jetzt im Moment? Würdest du mir am liebsten den Kopf abreißen, oder was? Sag mir doch, wie du dich grade fühlst!“ Er flehte fast. Sie wählte ihre Worte sehr sorgfältig. „Ich kenn mich im Moment gar nicht mehr aus … ich muss erstmal eine Nacht drüber schlafen.“ Er seufzte. „Ja, ok … dann wart ich morgen vor der Schule auf dich.“ – „Gut“, meinte sie. Sean flüsterte: „Ich liebe dich“ - „Ich dich auch“, antwortete sie, legte auf und ging in ihr Zimmer.

2007

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Ich hab die CD von dir gefunden. Die du mir vor zweieinhalb Jahren zur Konfirmation geschenkt hast. Zum ersten Mal seit langem dachte ich nicht daran, was für ein Idiot du eigentlich bist. Zum ersten Mal seit langem lächelte ich bei der Erinnerung an uns beide wieder.
Warum kann ich mich hauptsächlich an die schlechten Erfahrungen mit dir erinnern? Es gab doch eigentlich viel mehr Gutes und ich denke meistens nur daran, wie du mich verletzt hast oder was mich an dir gestört hat.
Ich kann mich nicht mal an unseren letzten Kuss erinnern. Alles ist weg, so viel ist vergessen, so vieles hab ich in meinem Gedächtnis vergraben. Unsere Unterhaltungen, Berührungen, es sind nur noch verschwommene Bilder in meinem Kopf. Das ist traurig.
Ich hab mir ein paar Lieder angehört. Und während ich so dasaß, stellte ich fest: Irgendein Teil in meinem Herzen, der seltsam und verquer ist, irgendein Teil in mir, der immer das fünfzehnjährige Mädchen bleiben wird, dieser winzig kleine Teil wird dich seltsamen und verqueren Menschen auf eine komische Art und Weise immer lieben oder zumindest etwas in der Art. Immer.
Aber ich, ich, mit meinen mittlerweile 17 Jahren, habe nichts mehr mit dir gemeinsam oder Gefühle für dich oder den Gedanken, dich zurückhaben zu wollen. Ich hab dich nie vermisst.

Oktober 2009